DNS-Server: welchen du verwendest, und welchen du verwenden solltest
Ein DNS-Server übersetzt einen Namen wie musterfirma.at in die IP-Adresse, unter der der zugehörige Rechner tatsächlich erreichbar ist. Das Domain Name System (DNS) erledigt das im Hintergrund und fällt dir nur dann auf, wenn es nicht funktioniert. Spannend wird es in dem Moment, in dem du eine Entscheidung treffen willst: welchen Server dein Gerät fragen soll, und welcher Server über deine eigene Domain Auskunft gibt.
Zusammenfassung
- DNS-Server ist ein Doppelbegriff: der Resolver auf deinem Gerät und der autoritative Nameserver deiner Domain sind zwei verschiedene Dinge
- Deinen aktuellen Resolver stellt standardmäßig dein Internetanbieter, du kannst ihn gegen einen öffentlichen tauschen
- Ein Wechsel bringt vor allem Filterung, Verschlüsselung und ein anderes Vertrauensverhältnis, nicht automatisch Tempo
- Die Adressen 8.8.8.8 und 1.1.1.1 sind technisch solide, die eigentliche Frage ist, wem du deine Anfragen zeigen willst
- In Österreich stellen A1, Magenta und Drei eigene Resolver, nic.at verwaltet die Zonendaten von
.at - Die Nameserver deiner Domain änderst du dort, wo die Domain verwaltet wird — mit Vorlauf, weil Zwischenspeicher nachlaufen
Zwei Dinge, die beide „DNS-Server“ heißen
Der Begriff meint zwei grundverschiedene Rollen, und fast alle Missverständnisse entstehen genau hier.
Das erste ist der Resolver. Er ist die Stelle, die dein Gerät fragt, wenn es einen Namen nachschlagen will. Normalerweise stellt ihn dein Internetanbieter, und normalerweise merkst du nichts davon. Tauschen kannst du ihn jederzeit, auf dem einzelnen Gerät oder gleich am Router.
Das zweite ist der autoritative Nameserver. Er hält die Zonendaten deiner eigenen Domain und gibt verbindlich Auskunft über sie. Welcher Server das ist, bestimmt sich dort, wo deine Domain verwaltet wird. Wenn du wissen willst, wie Domains grundsätzlich aufgebaut sind, hilft dir unser Beitrag Was sind Domains? weiter.
Autoritativ heißt: Dieser Server hält die Daten selbst, seine Antwort gilt als gesichert. Nicht autoritativ heißt: Die Antwort stammt aus einem Zwischenspeicher und war ursprünglich woanders zu Hause. Sie kann veraltet sein. Pro Zone gibt es mindestens einen autoritativen Server, üblich sind zwei — ein primärer und ein sekundärer, als Redundanz gegen Ausfall. Das ist kein Luxus: Fällt die Namensauflösung aus, ist deine Website praktisch nicht erreichbar, obwohl der Webserver völlig gesund weiterläuft.
Ein geänderter Resolver auf deinem Notebook hat nichts mit den Nameservern deiner Domain zu tun. Du änderst damit nur, wen dein eigenes Gerät fragt. Für alle anderen Menschen im Internet bleibt alles, wie es war.
So läuft eine vollständige Abfrage ab:
- Dein Gerät fragt den Resolver nach einem Namen.
- Der Resolver fragt einen Root-Server.
- Der Root-Server nennt den zuständigen Server der Top-Level-Domain.
- Der TLD-Server nennt den autoritativen Server der gesuchten Domain.
- Der autoritative Server liefert die IP-Adresse.
- Der Resolver gibt sie an dein Gerät zurück, das Gerät verbindet sich.
Diese volle Kette läuft selten komplett durch. Antworten werden zwischengespeichert, weshalb die meisten Abfragen nach wenigen Stationen erledigt sind. Dieselbe Zwischenspeicherung erklärt auch, warum sich Änderungen an DNS-Einträgen nicht sofort überall durchsetzen.
Welchen du gerade verwendest, und wie du das herausfindest
Solange du nichts umgestellt hast, verwendest du den Resolver deines Internetanbieters. Nachsehen kannst du an drei Stellen:
- In den Netzwerkeinstellungen deines Geräts, bei den Eigenschaften der aktiven Verbindung
- In der Oberfläche deines Routers, meist im Bereich Internet oder WAN
- Über eine der Testseiten, die dir anzeigen, welcher Resolver deine Anfrage gestellt hat
Der Router ist dabei der aussagekräftigere Ort: Trägt dein Gerät keinen eigenen Server ein, gilt das, was der Router verteilt. Wie du die Einstellung unter Windows änderst, zeigt dir der Beitrag DNS-Server anpassen.
Was ein Wechsel wirklich bringt
Ein anderer Resolver ist schnell eingetragen, aber er löst nicht jedes Problem. Realistisch sind diese Effekte:
- Filterung. Manche Resolver blockieren Adressen, die als Schadsoftware- oder Phishing-Verteiler bekannt sind, manche zusätzlich Werbe- und Trackingdomains.
- Verschlüsselter Transport. Klassisches DNS läuft unverschlüsselt, Anfragen sind unterwegs mitlesbar. DNS over HTTPS und DNS over TLS schließen diese Lücke.
- Prüfbare Antworten. DNSSEC signiert Antworten und schützt damit gegen Fälschung. Gegen Mitlesen schützt es nicht — das sind zwei verschiedene Probleme mit zwei verschiedenen Lösungen.
- Stabilität. Ein überlasteter oder schlecht gepflegter Resolver fällt dir als vermeintliches Internetproblem auf.
Beim Tempo lohnt sich Zurückhaltung. Die Antwortzeit hängt vor allem davon ab, wie weit der nächste Serverstandort entfernt ist, und die großen Anbieter betreiben Standorte in Europa. Spürbar wird der Unterschied selten, weil der Großteil deiner Abfragen ohnehin aus dem Zwischenspeicher kommt.
Wichtiger ist die Vertrauensfrage. Wer den Resolver stellt, sieht grundsätzlich, welche Namen du abfragst. Ein Wechsel verlagert dieses Vertrauen auf einen anderen Betreiber, er beseitigt es nicht.
Sind 8.8.8.8 und 1.1.1.1 sicher?
Technisch ja. Beide Adressen gehören zu etablierten, gut gewarteten Diensten, und beide unterstützen moderne Verfahren. Die Frage hinter der Frage ist eine andere: Welchem Unternehmen zeigst du, wonach du suchst? Die folgende Übersicht stellt die vier verbreitetsten öffentlichen Resolver gegenüber.
| Anbieter | Adressen | Filterung | Protokollierung | Verschlüsselter Transport |
|---|---|---|---|---|
| Cloudflare | 1.1.1.1, 1.0.0.1 | keine in der Standardvariante | nach eigener Angabe stark eingeschränkt | DNS over HTTPS, DNS over TLS |
| Google Public DNS | 8.8.8.8, 8.8.4.4 | keine inhaltliche Filterung | protokolliert, Teil des Google-Ökosystems | DNS over HTTPS, DNS over TLS |
| Quad9 | 9.9.9.9, 149.112.112.112 | blockt bekannte Schadsoftware- und Phishing-Adressen | nach eigener Angabe ohne personenbezogene Speicherung | DNS over HTTPS, DNS over TLS |
| AdGuard DNS | 94.140.14.14, 94.140.15.15 | blockt zusätzlich Werbung und Tracker | nach eigener Angabe eingeschränkt | DNS over HTTPS, DNS over TLS |
DNSSEC-Prüfung beherrschen alle vier. Die Entscheidung läuft damit auf zwei Fragen hinaus: Willst du gefiltert werden, und wessen Datenschutzversprechen ist dir am glaubwürdigsten? Wenn du Filterung willst, sind Quad9 und AdGuard DNS die naheliegenden Kandidaten. Wenn du eine möglichst unverfälschte Auflösung bevorzugst, passen Cloudflare und Google Public DNS besser.
Was in Österreich anders ist
Die großen heimischen Anbieter A1, Magenta und Drei stellen ihrer Kundschaft standardmäßig eigene Resolver zur Verfügung. Für den Alltag funktioniert das zuverlässig.
Ein Punkt unterscheidet die österreichische Lage trotzdem von der rein technischen Betrachtung. Sperren gegen Urheberrechtsverletzungen werden hierzulande überwiegend über die Namensauflösung umgesetzt: Der Resolver des Anbieters liefert für bestimmte Namen keine verwertbare Antwort mehr. Der Oberste Gerichtshof hat diese Praxis 2014 für zulässig erklärt, und nach EU-Recht darf eine Sperre nur auf gerichtliche oder behördliche Anordnung erfolgen.
Zwei Eigenheiten solltest du kennen. Anders als in Deutschland sind die Sperrlisten in Österreich öffentlich einsehbar, bei der RTR und bei den Anbietern selbst. Und treffsicher ist die Methode nicht: 2022 enthielt eine Sperrliste IP-Adressen von Cloudflare, woraufhin zahlreiche völlig legale Websites mit abgeschaltet wurden. Technisch läuft eine DNS-Sperre zudem ins Leere, sobald jemand einen anderen Resolver verwendet — das ist eine Eigenschaft des Systems, keine Empfehlung.
Für .at ist nic.at die Registry. Sie verwaltet die Zonendaten der Top-Level-Domain und ist damit die Stelle, an der die Kette für jede österreichische Domain beginnt. Wie dieses Zusammenspiel aus Registry, Registrar und übergeordneten Institutionen funktioniert, erklärt der Beitrag Domain-Registrierung: So arbeiten ICANN, nic.at und Co..
Die Nameserver deiner eigenen Domain
Hier wechselt die Perspektive. Es geht nicht mehr darum, wen dein Gerät fragt, sondern darum, wer über deine Domain Auskunft gibt. Die Nameserver-Einträge entscheiden das, und geändert werden sie dort, wo die Domain verwaltet wird. Registrierst du deine Domain bei world4you, verwaltest du die Einträge im Kundenbereich.
Diese Record-Typen begegnen dir dabei am häufigsten:
| Typ | Wofür er steht |
|---|---|
| A | verweist auf eine IPv4-Adresse |
| AAAA | verweist auf eine IPv6-Adresse |
| CNAME | Alias auf einen anderen Namen |
| MX | zuständiger Mailserver der Domain |
| TXT | Nachweise und Richtlinien, etwa für den E-Mail-Versand |
Zwei Dinge solltest du einplanen. Erstens wirken Änderungen verzögert, weil die Zwischenspeicher weltweit nachlaufen. Plane Umstellungen also mit Vorlauf und nicht am Freitagnachmittag. Zweitens nimmt ein falscher Eintrag deine Website oder deine E-Mail vom Netz, ohne dass am Server selbst etwas kaputt wäre. Besonders bei einem Domain-Umzug lohnt es sich, die bestehenden Einträge vorher zu notieren.
Dein Gerät fragt den Resolver, deine Besucher:innen fragen deinen Nameserver. Wer diese beiden Rollen auseinanderhält, entscheidet bei DNS-Themen von selbst richtig: Am Gerät ist eine Umstellung so schnell zurückgenommen wie gemacht, an der Domain betrifft jede Änderung alle, die dich erreichen wollen.